Cosmopolitan-Interview mit Lena 05/13

Lena arbeitet und lebt heute in den USA aber gibt zu, dass ihr die Heimat fehlt: in Moskau sind alle Freunde, Familie, Erinnerungen geblieben. Sie pendelt oft hin und her um ihre Lieben öfter zu besuchen: „Die USA habe ich nicht speziell ausgesucht, es hat sich so ergeben. Dort habe ich meine Band und es war einfacher für mich, selbst nach L.A. zu kommen, statt die vier Jungs einfliegen zu lassen. Vor vier Jahren bin ich zum ersten Mal weggeflogen und nur für kurze Zeit. Danach immer wieder und für immer länger. Und nun lebe ich schon fast dort aber natürlich vermisse ich Moskau und die Menschen, die mir nahe stehen.“

Und zählt Julia Volkova auch zu den Menschen, die dir nahe stehen?

Julia ist ein Mensch, den ich sehr gut kenne… Ich kann nicht sagen, dass wir Freundinnen sind oder dass wir wie eine Familie sind. Nach t.A.T.u. hatten wir lange Zeit keinen Kontakt mehr gehabt, ich bin nach USA umgezogen, sie ist hier geblieben. Aber jetzt treten wir sogar wieder gemeinsam auf, singen alte Hits und sind bereit etwas Neues aufzunehmen.

Julia ist schon Mutter. Siehst du das in der Zukunft auch auf dich zukommen?

Ich will nicht lügen: ich wollte schon seit ich 14 bin, Mutter werden. Da meine Eltern sich schon früh scheiden ließen, wollte ich, dass mein Kind in einer vollständigen Familie aufwächst. Lange Zeit habe ich nach einem passenden Mann gesucht, den ich jetzt gefunden habe.

Könntest du deine Karriere an den Nagel hängen, wenn es deine Familie verlangen würde?

Bisher hat mir zum Glück keiner solch ein Ultimatum gestellt, obwohl ich natürlich denke, dass man sich um seine Kinder kümmern muss. Ja, ich liebe es Konzerte zu geben, Musik oder Texte zu schreiben aber Kariere ist nichts Beständiges, deine Kinder schon. Und damit man später nicht verzweifelt nach dem Fehler, was man gemacht hat, suchen muss, sollte man sich für seine Kinder aufopfern. 

Würdest du dagegen sein, wenn deine Kinder später auch ins Showbiz einsteigen wollen?

Showbiz nimmt schon einen großen Einfluss auf den Menschen und verändert seinen Charakter. Aber trotzdem würde ich es meinen Kindern nicht verbieten, wenn sie es ausprobieren wollen. Bei den meisten Kindern kann man schon früh ihre Neigungen und Potenzial erkennen und die Eltern dürfen ihnen nicht ihren Willen aufzwingen, wenn deren Vorstellungen nicht mit denen des Kindes übereinstimmen. Eine Freundin von mir hat eine kleine Tochter, die sehr gerne zeichnet aber der Papa fasst sich nur an den Kopf und sagt, dass Künstler heutzutage kein Geld mehr verdienen können. „Und was, wenn sie später ganze Kunstwerke auf die Beine stellt?“ – widerspricht dagegen die Mutter. Ich bin meiner Mutter sehr dankbar dafür, dass sie damals den Vertrag unterschrieben hat. Ich kann es mir heute nicht vorstellen, wie mein Leben wohl geworden wäre, wenn sie es nicht gemacht hätte. Wahrscheinlich hätte ich die ganzen Ereignisse im TV mitverfolgt und es meinen Eltern nie verzeihen können. Denn auf der Bühne zu stehen, war immer schon mein Traum und mein Ziel gewesen. Und dank t.A.T.u. ist dieser Traum sehr schnell in Erfüllung gegangen, wir wurden über Nacht populär. Natürlich gab es für mich auch die Gefahr „abzuheben“, was ich ab und zu auch tat. Aber zum Glück gab es immer Leute an meiner Seite, die mich wieder auf den Boden geholt haben.

Machen Showbiz und das Bekannt-sein Beziehungen zwischen Menschen kaputt?

Die Menschen werden ein Paar verurteilen und über sie reden, wenn die beiden es so wollen. Ich selbst habe kein Bedürfnis nach Medienaufmerksamkeit, was meine Beziehung angeht.

Heute arbeitet Lena zusammen mit einer Gruppe von Musikanten: „t.A.T.u. – ist ein starkes Fundament, dank diesen nimmt man mich als Künstlerin ernst, sowohl in Russland als auch im Westen. Obwohl ich mir im Klaren bin, dass ich wahrscheinlich nicht so viel Erfolg haben werde, wie zu t.A.T.u.-Zeiten, geschweige denn, diesen übertreffen. Aber von anderer Seite bin ich ehrlich und sage, dass ich mich natürlich nach Erfolg sehne, wie jeder anderer Künstler auch.“

Lena hat keine Probleme damit, an t.A.T.u. erinnert zu werden und nennt es sogar die schönste Zeit ihres Lebens. Fakt ist, dass t.A.T.u.`s Musik viel über die künstlerische und persönliche Freiheit ausgesagt hat, die keine Grenzen akzeptieren wollte. Lena ist sich sicher, dass das Projekt auch auf sozialer Ebene eine große Rolle gespielt hat: „Ja, wir sind keine Teenager mehr und gleichgeschlechtliche Liebe ist nicht mehr unser Spiel. Ich kann mich als religiös bezeichnen und müsste eigentlich auf der Anti-Seite stehen. Aber! Ich habe viele Freunde, die homosexuell sind und das sind alles wunderbare Menschen. Haben wir denn wirklich das Recht, diese Menschen zu verurteilen? Nicht wir entscheiden, was erlaubt sein soll und vor allem dürfen wir diese Menschen nicht schlecht machen, sie versuchen zu heilen oder einzuschüchtern. Wir haben viel Feedback von Fans bekommen, die dank t.A.T.u ihre Angst besiegt haben, sich gegen eine Abtreibung oder sogar Suizid entschieden haben. Vor kurzem habe ich über Skype mit meinen Fans kommuniziert und darunter war ein Mädchen 13 Jahre alt, jungenhaft vom Aussehen. Sie hat große Probleme in der Familie und sie selbst hatte man sogar in der Psychiatrie zu behandeln versucht, obwohl sie ein vernünftiger und seriöser Mensch ist, viel reifer als für ihr Alter üblich. Sie hat erzählt, dass sie während ihres Aufenthalts im Krankenhaus unsere Musik gehört hat und dass es ihr geholfen hat durchzuhalten. Und ein Freund von mir hat mir noch eine andere Geschichte über seine Bekannte erzählt, welche sich gegen eine Abtreibung entschieden hat, nachdem er ihr unser Video zu „White Robe“ gezeigt hat.

Wer von heutigen Künstlern, deiner Meinung nach, macht ähnliche ehrliche und offenherzige Musik, wie du damals mit Julia?

Mir gefällt Adele. Sie erzählt in jedem ihrer Songs eine sehr private Geschichte. 

Was ist stärker: Liebe oder unerwiderte Liebe?

Leid inspiriert einen mehr.

Kannst du dich noch an deine erste Erfahrung damit erinnern? Zum Beispiel deinen ersten Tanz mit jemandem?

Ich erinnere mich an alles! Mit 11 wurde ich zum ersten Mal von einem Jungen auf einen Tanz eingeladen. Wir haben zu einem Lied von „Scorpions“ getanzt. 

Womit beschäftigst du dich gerne außer mit Musik? Lesen?

Ich mag historische Bücher. Vor kurzem habe ich „The Favorite“ von Valentin Pikul wieder durchgelesen. Und als ich „Angélique und der König“ gelesen habe, habe ich mich in der Rolle der Protagonistin vorgestellt. Als eine gläubige Person, dürfte ich an so was wie Wiedergeburt ja eigentlich nicht glauben aber interessant finde ich das trotzdem, vielleicht habe ich ja irgendwann schon mal gelebt. Einmal hatte man mir die Rolle der jungen Zarin Katharina II angeboten und das in einem japanischen Projekt. Ich war begeistern von der Idee, all die schönen Kleider und schicken Hochsteckfrisuren. Aber leider ist aus diesem Projekt nichts geworden.

Magst du auch Gedichte?

Nicht so sehr wie Prosa. Mir gefallen Lermontov und besonders Puschkin. Er ist natürlich ein Genie – solch komplizierte Dinge so einfach und verständlich niederzuschreiben… Aber auch seine rowdyhaften Gedichte sind spitze!

Quelle: http://www.cosmo.ru/in_focus/cosmostars/1348851/