Interview mit Lena auf "russia.ru" (24.09.2012)

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Das ehemalige Mitglied des kontroversen Duos t.A.T.u. Lena Katina arbeitet in den Vereinigten Staaten an den Aufnahmen zu ihrem Debüt-Solo-Album. Während ihres letzten Moskau-Besuchs entschied sich das Team, eine Akustik-Version von einem ihrer Lieder im Gorky Park vorzutragen. Einen Monat später telefonierte der Interviewer mit Lena in Los Angeles.

Du nimmst gerade dein neues Album in Los Angeles auf. Wie geht's voran?

Ich habe einige Monate Pause in Moskau gemacht und bin gerade in die USA zurückgekehrt. Ich komme zu euch (lacht). Wir haben sehr viel Material und haben immer noch etwas Neues hinzuzufügen. Wir sind voller Pläne …

Und warum USA und nicht Russland? Zählst du auf ein globales Publikum?

Natürlich, weltweit beinhaltet auch Russland. Ich bin Russin. Ich habe vielleicht höhere Ansprüche als manch andere Künstler - weil ich bereits weiß, wie es ist, überall bekannt zu sein. Vor diesem Hintergrund wäre es dumm, sich auf ein bestimmtes Land zu konzentrieren. Warum soll ich mich selbst in einen Rahmen tun, wenn dieser schon lange vorher gesprengt wurde? Und wie es wird, wird es, wir werden sehen. In den USA geht alles etwas entspannter. Du denkst nicht: Jetzt sitze ich in diesem großen Verkehrsstau namens Moskau.

Bemerkenswert ist, dass deine neuen Lieder sich nobler anhören als die, die du mit Yulia Volkova zusammen gesungen hast

Fakt ist, dass Yulia und ich unterschiedliche Wege gehen, das ist völlig natürlich. Wir sind zwei verschiedene Menschen. Jetzt arbeite ich an der Musik, die von meinem Herzen kommt, weil ich nun die Co-Autorin meiner Lieder bin. Das ist neu für mich. Es gibt eigenartige Kompositionen, Tanzlieder und auch Balladen, sehr gefühlvoll und romantisch … Das ist z. B. ein Lied mit dem Arbeitstitel IRS - es ist sehr verspielt und frech. Ich nenne es "Lied über einen schlechten Tag". Wir haben es ins Russische übersetzt und es enthält einige harte Worte, aber ich mag es!

Ihr schreibt also ursprünglich in Englisch?

Wir waren es gewöhnt, die Texte in Russisch zu schreiben und dann ins Englische zu übersetzen. Das funktioniert in Russland, nur in Russland. Jetzt machen wir es umgekehrt. Und was im Westen, in Amerka funktioniert, funktioniert überall. Sieh selbst, was beliebt ist.. Absolut nichts, das in Russland beliebt ist, funktioniert nicht. Ich habe die Erfahrung auf einer komplett anderen Stufe gemacht - und natürlich ich werde fest darauf stehen und gehe nicht mehr zurück.

Welche Arbeitsregeln hast du in den USA?

Ich habe gerade ein neues Visum bekommen, vorher war es ein Arbeitsvisum, aber jetzt ist es ein spezielles Künstlervisum. Jetzt darf ich mich "Fremde mit außergewöhnlichen Fähigkeiten" oder so nennen. Kurz gesagt, laut US-Behörden bin ich eine "außergewöhnliche Fremde". Mein Keyboarder hat ein Studio in einer Garage und dort schreiben wir oft. Es ist einfach, es passiert einfach in entspannter Umgebung - nicht in Eile, nicht im Kreis herumlaufen, nicht beteiligt am "Love Business". Und man hat nicht nur 2 Stunden Zeit, um 5 Lieder zu schreiben wie in Russland. Du denkst nicht: Jetzt sitze ich in diesem großen Verkehrsstau, der sich Moskau nennt und ich fahre fünfeinhalb Stunden bis nach Hause. Nein, hier denkt du nicht an sowas (lacht). Ich arbeite hier mit Freunden, wir kommen zur Arbeit und manchmal passiert es, dass wir nicht in Stimmung kommen … manchmal hängt man fest und kann nicht ein Wort finden - und das war es dann. Hier sind 5 Leute, die herumsitzen und keiner kann etwas daran ändern. Es ist Zeitverschwendung. Du gehst raus in den Garten, die trinkst ein Glas Wein, entspannst dich, unterhälst dich über dies und das … und dann: "Oops!" Und da ist es, du hast das Wort gefunden! Oder man trifft sich um 12 Uhr Mittags und arbeitet bis 12 Uhr Mitternacht und nichts lenkt uns von der Arbeit ab - Freundinnen, Freunde, Kinder, Verwandte, Großeltern, Mutter. Du brauchst keinen zu treffen, du sitzt nur da und schreibst Lieder.

Jetzt bist du dein eigener Chef, aber du hast dieselben Produzenten. Nicht mehr Ivan Shapovalov, aber die anderen. Wie tätigst du die anderen kreativen Aufgaben?

Hier in der Mitte, mein Freund. Der Fakt, dass der Musiker auf Kreativität beschränkt ist und der Manager auf den Verkauf. Und natürlich ist es schwer, auf einmal ein Anführer zu sein. Ich kann die Produzenten um Rat fragen, aber ich bin diejenige, die die Entscheidungen fällt. Und die Kreativität ist dabei oft nur eine kleine. Ich liebe die Balance und zweifle immer. Mein Sternzeichen ist Waage. Das ist mein Schicksal, ich tu mich schwer, Entscheidungen zu treffen, aber ich lerne.

Bist du jetzt glücklich?

Weißt du, Glück ist eine empfindliche Sache … Kürzlich habe ich für mich selbst beschlossen, dass, wenn ich morgens aufwache und keine Schmerzen habe, dass ich dann glücklich bin.

Am 29. September wird Lena in St. Petersburg in der Konzerthalle "Aurora" beim Queerfest Festival 2012 auftreten.