Interview mit Lena in "Telenedelya"

Lena Katina: "Nach dem Zusammenbruch von t.A.T.u. wusste ich nicht, wie ich weiterleben soll"

Nachdem Madonna Lenas Hit gehört hatte, sagte sie: "Dieses Mädchen hat eine großartige Zukunft!"

Ich habe Yulia und die Gruppe t.A.T.u. nicht begraben

- meine Heimatstadt Moskau zu verlassen, war nicht einfach. Aber ich hatte keine Wahl: Die Musiker, mit denen ich arbeiten wollte, lebten in Los Angeles. Ich kam dort an und mietete mir eine Wohnung in der Nähe des Studios, wo wir arbeiteten. Aber ich wollte in einem Haus wohnen. Ich fing an, die Immobilienanzeigen zu studieren und ein paar Monate später fand ich ein kleines, aber sehr künstlerisches Haus in den Bergen von Hollywood. Ich lebe hier mit meinem Freund, der ebenfalls Sänger ist. Die Atmosphäre des Hauses ist der Kreativität sehr förderlich. Wir filmten sogar ein Video hier.

Ich bin jetzt aktiv ins Schreiben und Arrangieren der Lieder eingebunden. Ich liefere Konzepte und Ideen. Aber manchmal morgens, bevor ich meine Augen öffne, erinnere ich mich daran, dass ich von Yulia geträumt habe: Ich habe geträumt, dass wir auf die Bühne mussten und ich vergaß, ein Bühnenkostüm anzuziehen. Oder dass wir in der Küche saßen und über Dinge diskutierten und Yulia unterstützt mich immer.

In Wirklichkeit reden wir nicht mehr miteinander. An ihrem Geburtstag schickte ich ihr einen Geburtstagsgruß per SMS, aber sie schien ihre Handynummer gewechselt zu haben. Man fragt  dauernd, was zwischen uns passiert ist und glauben mir nicht, wenn ich sage "nichts". Man sagt "Aber im Video für das Lied 'Never Forget' hast du deine Ex-Freundin begraben". Ich lache, ich habe Yulia oder t.A.T.u. nicht symbolisch begraben. Ich hoffe, dass Yulia das Video ähnlich sieht. Ich wünsche ihr Glück und Erfolg mit ihrer Solokarriere. Nicht jeder kann verstehen, dass auch das schönste Märchen zu Ende geht und dass es weitergehen muss.

Diese Sitzung öffnete mir meine Augen

- wir haben genug Zeit gehabt, über die wirklichen Gründe für das Ende des Projekts t.A.T.u. zu reden. 

Unser ausführender Produzent Boris Rensky war die Überraschungen von Seiten Yulias leid. Sie konnte einfach ein Konzert abbrechen, indem sie nicht erschien. Und am Ende landeten wir auf einer schwarzen Liste von Leuten, mit denen man besser nicht zusammenarbeitet. Aufgrund dieser Entwicklung entschieden sich Boris, Yulia und ich, die Band aufzulösen.

In einem Interview mit meinen Fans sagte Boris, dass er mir direkt danach ein Soloprojekt angeboten hätte. Aber in Wirklichkeit musste ich eine Phase durchmachen, wo ich nicht wusste, wie ich weiterleben soll. t.A.T.u. war für mich meine ganze Welt. Aus der Schule sprangen wir sofort ins Erwachsensein. Wir sponnen ein heftiges Kaleidoskop und auf einmal hat es all seine Farben verloren.

Es war nicht nur, dass ich mich nach der Bühne sehnte. 10 Jahre lang, 24 Stunden täglich, hingen wir aneinander, ich wuchs zusammen mit Yulia auf. Wilde Konzerte, Parties, jeder hing mit der anderen zu Hause rum - alles passierte mit ihr zusammen. Sie war ein Teil von mir wie ein Arm oder ein Bein. Und als unsere Wege sich trennten, fühlte ich, dass ich mich selbst auch verlor. Ich wusste nicht, wer ich war ohne Yulia - sie war aktiv, lebendig, nach vorne schauend - ich zog mich zurück.

Ich bemerkte, dass sie mehr Aufmerksamkeit brauchte. Wir waren grundsätzlich verschieden. Das ganze Projekt basierte auf der Tatsache, dass wir uns gegenseitig ergänzten. Ich war immer eine ruhige und beständige Person und Yulia war explosiv und emotional.

Ich wusste genau, dass ich weiter Musik machen wollte. Aber wo sollte ich anfangen? Und am wichtigsten, mit wem? Und ich wurde depressiv. Meine Eltern und Freunde versuchten, mich zu unterstützen, aber sie konnten mir nicht helfen. Glücklicherweise brachte mich jemand zu einem Psychologen. Diese Sitzung öffnete mir meine Augen um zu sehen, was passiert war. Es stellte sich heraus, dass ich eine starke Zuneigung zu einer anderen Person empfand - ein allgemein bekanntes Phänomen. Und meine Situation war noch komplizierter: ich empfand die Trennung von Yulia als den Abbruch meiner Kindheit. Wir mussten erwachsen werden und ich war nicht bereit dazu … aber allmählich, als ich mit meinem Soloprojekt anfing, bekam mein Leben wieder mehr Würze. Yulia blieb in der Vergangenheit und natürlich in meinem Herzen - als eine enge Freundin, mit der ich einen sehr langen und wichtigen Teil meiner Jugend verbrachte.

Kinder? Wir hätten nichts dagegen

- Ja, ich werde immer noch mit Yulia verglichen. Aber ich lebe mein Leben nicht, um den Erwartungen anderer zu entsprechen. Ich weiß, ich möchte auch Kinder - vielleicht sogar in der näheren Zukunft. Zumindest hätten Sasha und ich nichts dagegen.

Wir haben uns in Los Angeles während der Zeit mit t.A.T.u. getroffen. Sasha ist ein Sänger und Komponist. Wir haben uns von Zeit zu Zeit angerufen, haben uns irgendwo getroffen, sagten "Hallo" und gingen dann wieder. Das Gefühl füreinander brach vor ein paar Jahren in uns aus.

Jetzt, wo ich in Moskau bei meinen Eltern bin, bin ich ständig in Verbindung mit Sasha. Er war schon vorher in Moskau und ist sehr zufrieden.

Ich möchte Musikgeschichte schreiben

- wenn ich zurückschaue, überdenke ich Dinge - manches würde ich vielleicht anders machen - aber ich bedaure nichts.

Alles passierte so schlagartig, keiner hat erwartet, dass unsere Gruppe das erfolgreichste Projekt werden würde.

Inländisches Musikgeschäft. In nur einem Jahr wurde t.A.T.u. rasend populär. Und wie viele Menschenleben wurde durch unser Projekt gerettet. Wir sprachen offen über homosexuelle Beziehungen. "Wenn ihr nicht gewesen wärt, hätte ich mich umgebracht. Danke!" - Solche Briefe bekamen wir sehr oft. Und ich bin froh, dass wir mit unseren Liedern die Welt veränderten. Wenn ich jetzt wieder 15 Jahre alte wäre und ich bekäme ein Angebot von Ivan Shapovalov und Boris, Mitglied der Gruppe zu werden, ich bin sicher, ich würde "ja" sagen. Und meine Mutter würde zustimmen. Sie ist eine einzigartige Frau. Sie ließ mich nie das machen, was nur sie wollte. Im sechsten Schuljahr zum Beispiel, habe ich mich entschieden, die Musikschule abzubrechen - ich war es leid, Stunden am Klavier zu sitzen. Sie schlug mir einen Kompromiss vor: "Setze ein Jahr aus! Und dann, wenn du möchtest, mache weiter, wenn nicht, höre auf." Die Methode wirkte: ich schloss die Schule ab. Ich denke, das ist der richtige Weg der Kindererziehung, gib ihnen die Freiheit, zu wählen und schreibe ihnen nichts vor.

Ich merkte sehr, dass es viel schwieriger ist, solo zu singen als innerhalb eines Duettes. Aber ich fing an, es zu mögen, alles selbst kontrollieren zu können. Bei meinen ersten Soloauftritten in Los Angeles zitterten mir die Knie, bevor ich auf die Bühne ging. Ich trinke vor jedem Konzert ein Glas Brandy mit Honig, das hilft, die Stimme zusätzlich anzuheizen.

Vor Kurzem erreichte ein Remix meines Liedes "Never Forget" die Spitze der Billboard Dance Charts. Dann erschien das neue Video für das Lied "Melody". Ich fand meinen gesunden Ehrgeiz wieder, das Selbstvertrauen, mit dem man viel erreichen kann. Jetzt werde ich in den vereinigen Staaten als das "rothaarige Mädchen von t.A.T.u." wahrgenommen, aber es macht mir nichts aus. Möge Gott die segnen, die sich auf ihren Erfolg in ihrer Vergangenheit verlassen können - in der Tat, das ist es! Aber jetzt greife ich nach einem nächsten Erfolg- Ich möchte Musikgeschichte schreiben als die Solokünstlerin "Lena Katina". Das ist ein großes Ziel - und das bestimmt mein Leben.