Katina statt Madonna

Katina statt Madonna (Russland, 19.04.2012)

Die ehemalige t.A.T.u. Sängerin hat einer Pop-Diva den Titel der Königin der Tanzfläche entrissen

Sängerin Lena Katina, die nach dem Ende der im Westen erfolgreichsten russischen Popgruppe tATu eine freie und schöpferische Solokarriere begonnen hat, wiederholt den Erfolg des ehemaligen Duos. Lena macht noch ihre ersten Solo-Schritte, aber sie sind sehr beeindruckend. Ein Remix der ersten Solo-Single „Never Forget“ erreichte am Donnerstag die Spitzenposition in den Billboard Dance/Club Charts, und löste damit Madonna mit ihrem neuen Hit „Girl Gone Wild“ ab.


Die Informationen für die Erhebung dieser Charts in der wichtigsten Zeitschrift der Welt (natürlich aus den USA) stammen von einem großen Netzwerk amerikanischer DJs, die wöchentlich Bericht erstatten, welche Lieder wie oft auf ihren Tanzflächen gespielt wurden. Das heißt, dass das Lied mit dem Titel „Platz 1 in den Billboard Dance/Club Charts“ in der letzten Woche am häufigsten gespielt wurde. Euphorisch könnte man sagen, dass Lena Katina die Königin der Tanzfläche in den USA geworden ist. Die andere Hälfte des ehemaligen Duos „tATu“, Yulia Volkova, verfolgt von Moskau aus mit Interesse die Karriere Katinas im westlichen Showbusiness. Kürzlich sagte sie in einem Interview mit „ЗД“, dass im Zuge der musikalischen Aktivitäten Lenas Musikliebhaber auf der ganzen Welt sich wieder an die vergangenen Erfolge von tATu erinnern, sodass die alten Songs wieder die britischen Radio-Hitparaden gestürmt hätten. All das Getue um ihre frühere Karriere weist Katina von der Hand, da sie ihre Aufmerksamkeit auf ihre Solo-Karriere legt, in der sie sich seit jüngster Vergangenheit voll engagiert.

Skeptikern ist die Platzierung in den Dance-Charts egal, da es sich nicht um die wichtigsten Charts (Meist sind dies die Top-100, manchmal die Billboard 200) handelt – aber die Tatsache, dass wir mit Lena Katina die wichtigsten Club-Charts in Übersee gewonnen haben, ist sehr cool. Zum Vergleich: Die russische Elektronik-Band „ППК“ erreichte in den frühen 2000er Jahren nur den 26. Platz. Viele Elektro-Fans hierzulande loben die Erfolge der Band im Westen in den Himmel. Obwohl, der Fairness halber muss man sagen, dass die Charterfolge der Band in London größer waren als in den USA.

Neben der Elektro-Band erreichten auch einige russischer Rocker die Charts. Boris Grebenschikow erreichte den 198. Platz der Billboard 200 im Jahre 1989, und „Парк Горького“ auf dem Höhepunkt ihrer Popularität den 81. Platz in den Hot 100. Nun, die Mädchen von tATu hatten auch ein Goldenes Zeitalter. Die Gruppe erreichte mit dem englischen Song „Not Gonna Get Us“ die Spitze der Dance-Charts, mit „All About Us“ erreichten sie Platz 13, und das Lied „All the Things She Said“ erreichte Platz 20 der Hot 100.

Am Remix zu Lenas Song „Never Forget“ arbeitete der berühmte und Grammy-prämierte Produzent Dave Aude, dessen Lieder bereits 79 mal die Spitze der Dance Charts erreicht haben. Dave arbeitete mit Künstlern wie Madonna, Coldplay und Katy Perry zusammen, und natürlich hat er alle bekannten Remixe von tATu produziert. Lena ist mit Dave Aude schon seit 13 Jahren vertraut. Zum Produzieren von „Never Forget“ musste die Sängerin die Tonspur des Liedes komplett neu einsingen, und mit dem Ergebnis war sie zufrieden. Der Track von Lena und Dave brauchte nur acht Wochen, um die Spitze der Charts zu erreichen und Madonnas neuen Mix zu verdrängen.

Leider wurde der Name Madonna in Russland häufig im Zusammenhang mit den Worten „Homosexuellen Skandal“ erwähnt. Die Sängerin war gezwungen das Gesetz mit dem Beinamen „Homophob“ in St. Petersburg anzuerkennen. Tatsächlich gab Madonna im August zwei Konzerte in Russland, eines davon in St. Petersburg. Natürlich geizt ein Künstler, der für Homosexuelle eine Ikone der Moderne ist, nicht mit Kritik an diesem Gesetz.

Madonna hat das gut gemacht – sagt Lena Katina im Gespräch mit „ЗД“ – Die Sängerin setzt sich ein. Ich denke, in gewisser Weise ist sie ein Vorbild für uns alle, dem wir folgen sollten. Habt keine Angst zu sagen, was ihr denkt. Habt keine Angst zu tun, was ihr wollt. Dann werdet ihr leben, wie ihr möchtet. Madonna begeistert, egal, was jemand sagt, und mit ihr in diesen renommierten Charts zu stehen ist eine große Ehre für mich.

Link zum Originaltext: 
http://www.mk.ru/culture/article/2012/0 ... donnu.html

Erschien auch in der Zeitung: Московский Комсомолец, 20. April 2012, Ausgabe No. 25922